Bewertung eines Experten

Konkrete Kunst und Konstruktivismus agieren seit 100 Jahren, in der Regel abseits aller Modetrends, mit langem Atem und aus der Beschränkung auf mathematisch-künstlerische Prinzipien heraus mit nach wie vor überraschenden Resultaten. Eine Vielzahl von Künstlern entwickelt aus scheinbarer Einfachheit komplexe Gebilde und findet oft zu einem unverwechselbaren Personalstil.

In Schleswig-Holstein und darüber hinaus bekannt sind Künstler wie HD Schrader oder Ulrich Behl. Karsten Hein arbeitet mit ihnen auf Augenhöhe. Dass er, obwohl in Norderstedt ansässig, hierzulande weniger präsent ist, liegt hauptsächlich an seiner Orientierung zu seiner Geburtsstadt Hamburg hin, wo er nach seinem Studium an der HfBK seit 1966 als Dozent und seit 1980 bis zu seiner Pensionierung als Professor an der Fachhochschule lehrte.

Karsten Hein‘s TRIANGULUM (urspr.: Dreiecksanbindung) ist ein über sieben Jahre gewachsenes Werk, entstanden aus Zufall, im Spiel der Möglichkeiten, schließlich in ein präzises Resultat überführt. Ein Abfallfundstück wird Grundmodul, wird modifiziert, kombiniert, vervielfältigt, dann von Massivität und rechtwinkligen Bestandteilen befreit. Die Reduktion auf offene Dreiecke und ihre Anordnung machen Karsten Hein Gesetzmäßigkeiten bewusst, die als anfangs noch unberücksichtigtes geometrisches Grundelement den Kreis ins Spiel bringen. In der Durchdringung dreier Kreisformen aus Dreiecken ist ein liegendes ovalförmiges Gebilde, zunächst als Bodenplastik, entstanden, das sich nun, auf drei Stelen, über die Ladenzeile an der Ulzburger Straße erheben soll, an der Stelle, wo sich derzeit ein massiver Werbe- und Informationsturm der Grundstücksgesellschaft befindet.

Karsten Heins TRIANGULUM würde dem Vorplatz eine größere Durchlässigkeit verschaffen. Das Werk ist filigran genug, um die Großzügigkeit des Platzes nicht zu beeinträchtigen, und es ist kompakt genug, um sich als Signalzeichen gegenüber dem Durchgangsverkehr zu behaupten.

Dass Karsten Hein und sein Galerist auf eigene Honorare verzichten und die Grundstücksgesellschaft sowie die Gewerbetreibenden Kooperation signalisieren, erleichtert die Entscheidung. Meines Erachtens wird Karsten Hein seinem Wohnort eine spannende Arbeit überlassen. Zugleich erfährt er als anerkannter Künstler und Norderstedter Bürger eine verdiente und dauerhafte Anerkennung.

 

 

Kiel, 20.05.2015

Dr. Peter Thurmann
Kunsthalle zu Kiel